VCD/Ole Kamm
Barrierefreiheit
Fußverkehr
Machen

Baue dein
eigenes Gehzeug

Mit Holzgestell auf zwei Beinen gegen den Platzverbrauch der Autos demonstrieren

„Man muss durch das Auto durchsehen“, sagt der Wiener Verkehrswissenschaftler Hubert Knoflacher. Was man dann entdeckt, ist nichts anderes, als ein Rahmen, der zwölf bis sechzehn Quadratmeter Platz verbraucht. Deshalb hat Knoflacher das Gehzeug entwickelt – ein Holzgestell in der Größe eines Autos, das sich ein Fußgänger auf die Schultern schnallen kann. Plötzlich wird allen klar, wie absurd der Flächenverbrauch eines Autos ist. Wir zeigen dir, wie du dein eigenes Gehzeug bauen kannst.

Von Ole Kamm (VCD)

Materialliste

  • Kanthölzer 34 x 54 mm, z.B. Fichte oder Kiefer, 2 lange und 4 kurze ( je nach Automodell)
  • 8 Sechskantschrauben, M8 x 100 mm, und passende Muttern
  • 2 Spann- oder Rollladengurte, jeweils ca. 5 m Länge
  • Schaumstoffkissen für die Schultern
  • Bohrmaschine mit Holzbohrer M8
  • Schraubenschlüssel und Ratsche/Knarre
  • Ggf. 4 Winkelverbinder, 40 x 40 x 40 mm
  • Ggf. 16 Holzschrauben, 3 x 25 mm
  • Ggf. Akkuschrauber
  • Ggf. einen Fuchsschwanz (Säge)

Schritt für Schritt

Unsere Straßen werden von einer Vielzahl verschiedener Automodelle befahren, die alle vor eines gemeinsam haben: Mit jeder neuen Version, die die Autobauer auf den Markt brachten, wurden sie größer und protziger. War der VW Golf erster Generation von 1974 noch 3705 mm lang und 1610 mm breit, besetzt die siebte Generation eine Fläche von bis zu 4586 x 1799 mm². Diese Maße sind eine gute Orientierung für dein selbstgebautes Gehzeug: 4,5 m x 1,8 m.

1 – Latten auf die richtige Länge bringen
Wenn du die Kanthölzer nicht bereits im Baumarkt von einem der Mitarbeiter hast zuschneiden lassen – meist gibt es dort einen Service für Sägearbeiten –, dann musst du sie zunächst mit einem Fuchsschwanz ablängen. Du brauchst zwei 4,5 Meter lange Kanthölzer (später längsliegend) und vier Kanthölzer mit 1,8 Metern Länge (später quer auf den langen Hölzern liegend).

2 – Latten an den Enden löchern
Bohre an beiden Enden aller Kanthölzer jeweils ein Loch mit dem Durchmesser von 8 mm durch die breitere Seite. Dazu nimmst du einen M8-Holzbohrer. Das Loch muss genau mittig liegen, das heißt der Abstand von der Lochmitte zu den Kanten an den Seiten und am Ende muss gleich sein. Bei einem Kantholz mit 54 mm Breite ist der nötige Abstand zu allen drei Seiten also 27 mm. An dieser Stelle musst du deshalb so genau arbeiten, damit die Löcher in den Längs- und Querlatten später direkt übereinanderliegen und du sie mit den Sechskantschrauben fixieren kannst.

3 – Latten in den Mitten löchern
Um die inneren Querlatten später auf den langen Kanthölzern befestigen zu können, misst du von beiden Enden jeweils einen Meter ab und setzt dort mit einem Bleistift eine Markierung für das Loch. Achte hier wieder auf den gleich großen Abstand von den Seitenkanten – in diesem Fall 27 mm. Dann bohr die Löcher mit einem M8-Holzbohrer, wie im zweiten Schritt beschrieben.

CC 2.0, Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, TU Wien

4 – Schraube fest in die Mutter drehen
Nachdem du jetzt alle Latten abgelängt und gelöchert hast, lege die langen Latten parallel zueinander im Abstand von 1,8 m auf den Boden und die kurzen Latten quer oben auf, sodass die Löcher an den Verbindungspunkten direkt übereinanderliegen und du hindurchsehen kannst. Steck die Sechskantschrauben durch und schraub die Muttern aufs Gewinde. Mit der Ratsche kannst du die Schrauben jetzt ganz festziehen. Das geht leichter, wenn du mit dem Schraubenschlüssel oder einem Knochen an der Mutter gegenhältst. Bei Bedarf kannst du dein Gehzeug zusätzlich mit Winkelverbindern und Holzschrauben stabilisieren. Lies dazu mehr in den Tipps & Tricks.

5 – Schaumstoffkissen schultern
Wenn du das Gehzeug mit den Gurten auf deinen Schultern trägst, solltest du sie gut mit Schaumstoffkissen polstern. Mit der Zeit können die Gurte sonst sehr unangenehm auf deine Muskeln drücken. Schneide dazu zwei Schlitze in jedes der beiden Schaumstoffkissen und ziehe den Gurt hindurch. Wenn du später das Gehzeug spazieren trägst, müssen die Gurte über dem Schaumstoff liegen, damit das Polster etwas zu tun hat.

6 – Gurte binden und anschnallen
Binde die Gurte an den jeweils diagonal gegenüberliegenden Verbindungen der inneren Querlatten mit einem Seemannsknoten deiner Wahl fest. Jetzt musst du das Gehzeug ein bisschen probetragen, um die für dich optimale Länge der Tragegurte zu ermitteln. Eventuell musst du sie etwas kürzer oder länger verknoten.

Herzlichen Glückwunsch, dein Gehzeug ist fertig! Damit es aber nicht ganz so langweilig aussieht, solltest du es jetzt noch dekorieren und verzieren: mit Katzenaugen, Fahrradfelgen, Absperrband, einem Banner mit deiner Botschaft, Fahrradklingeln, Luftballons und was dir sonst noch so einfällt. Auf geht’s damit zur nächsten Demo oder ganz normalen Spaziergang am Sonntag!

Rechtliche Fragen

Laut Straßenverkehrsordnung §25 Abs. 2 bist du verpflichtet, die Fahrbahn zu benutzen, wenn du als Fußgänger Fahrzeuge oder sperrige Gegenstände mit dir führst und diese Gegenstände andere Fußgänger auf dem Gehweg behindern würden. Das heißt, in Straßen mit sehr schmalen Gehwegen, bewegst du dich im rechtlichen Rahmen, wenn du mit deinem Gehzeug die Fahrbahn benutzt. Allenfalls könnte dich eine Polizistin oder ein Polizist überzeugen, dass du dein Gehzeug „platzsparender“ hochkant über den Bürgersteig transportieren könntest. Für angemeldete Demonstrationen gelten natürlich noch einmal andere Bedingungen und Freiheiten.

Beachte bitte, dass wir hier keine Rechtsberatung anbieten.
Unsere Hinweise sollen Orientierung geben und sind ohne Gewähr und Rechtssicherheit.
Du solltest vor allem bei speziellen, individuellen Fragen einen Rechtsanwalt konsultieren.

Tipps & Tricks

Tipp 1:
GEHZEUG STABIL
Es kann sein, dass sich die Schrauben in deinem Gehzeug beim Einsatz etwas lösen und du dann mitten auf der Straße mit einem Klappzeug zu kämpfen hast. Um das zu verhindern, kannst du mit Winkelverbindern, Holzschrauben und einem Akkuschrauber die Verbindungen zwischen Längs- und Querlatten fixieren.
Tipp 2:
WAS ZUM LESEN
Vergiss nicht, Flyer, Faltblätter und Broschüren mitzunehmen, wenn du mit deinem Gehzeug unterwegs bist. Viele Passanten werden fragen, was es mit deiner Aktion auf sich hat. So hast du gleich Gelegenheit, über die ungerechte Flächenverteilung in der Stadt aufzuklären und den Menschen etwas zum Lesen mitzugeben. Material vom VCD kannst du hier herunterladen oder bestellen.