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PARK(ing) Day

Wem gehört die Straße?

Wie viel Platz in der Stadt wird von Autos besetzt – und wie viel Platz sollte uns allen zur öffentlichen Nutzung zustehen? Diese Fragen stellen sich die Aktivisten auf dem internationalen PARK(ing) Day am dritten Freitag im September jedes Jahr aufs Neue. Doch auch abseits des Aktionstages kannst du mit viel Kreativität und bunten Ideen auf den enormen Flächenverbrauch von Autos aufmerksam machen. Verwirkliche deine Ideen für eine lebenswertere Stadt auf den Parkplätzen in deinem Kiez!

Materialliste

  • ein Fahrrad oder Lastenrad
  • Rollrasen und Blumentöpfe
  • Sitzgelegenheiten und Tische
  • Brett- und Kartenspiele
  • Straßenkreide
  • Kaffee und Kuchen
  • ggf. ein Absperrband und Warnkegel
  • und was dir sonst noch einfällt - deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

Schritt für Schritt

Eine bekannte Straße einmal anders zu nutzen, lässt neue Sichtweisen entstehen und macht Spaß. Wir zeigen dir, wie dein PARK(ing) Day gelingt:

1 – Finde deinen PARK-Platz
Als allererstes solltest du dir einen Parkplatz oder mehrere nebeneinander liegende Parkplätze suchen, die du für einen Tag in einen kleinen Park verwandeln möchtest. Du kannst z. B. einen Stellplatz direkt vor deiner Haustür wählen oder in einer Gegend, die dir schon immer viel zu grau vorgekommen ist. Suche dir am besten eine Straße mit viel Laufpublikum und einem breiten Gehweg aus. So stellst du sicher, dass auch möglichst viele Menschen deine Aktion bemerken oder sich sogar anschließen.

2 – Suche dir Mitstreiter*innen
Natürlich kannst du deinen PARK(ing) Day auch ganz allein organisieren – zusammen macht es schlicht mehr Spaß. Informiere dich am besten, ob es bereits Initiativen in deiner Stadt gibt, die den PARK(ing) Day veranstalten.

3 – Besorge dir Materialien für deinen PARK-Platz
Überlege dir, wie du deinen Parkplatz gestalten möchtest. Mit einem Rollrasen und ein paar Pflanzen kannst du einen kleinen Park zaubern. Tische und Stühle laden zum Verweilen ein – vor allem, wenn Obstkuchen und frisch aufgebrühter Kaffee bereitstehen. Möchtest du gezielt Eltern mit Kindern ansprechen, bieten sich Spiele und Straßenkreide an. Deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt! Du kannst auch Yogamatten ausbreiten, das Treffen deiner Literaturgruppe auf den Parkplatz verlagern oder eine Werkzeugkiste für Fahrräder bereitstellen. Am besten machst du dir an diesem Punkt auch schon Gedanken, wie lange deine Aktion dauern soll: Du könntest den Parkplatz den ganzen Tag bespielen oder auch nur am Nachmittag für ein paar Stunden.

4 – Melde deine Aktion bei der Stadt an
Bist du eher von der vorsichtigen Sorte? Dann melde deine Aktion, um dich rechtlich einwandfrei abzusichern, spätestens 48 Stunden vorher bei deiner Ordnungsbehörde an. Weitere Hinweise dazu findest du unten bei „Rechtliche Fragen“.

5 – Gestalte deinen PARK-Platz
Jetzt geht es los: Wenn du die Aktion ordnungsgemäß angemeldet hast, sollte ein Halteverbotsschild deinen Parkplatz für die Aktion freigehalten haben. Möchtest du die Aktion spontan durchführen, kannst du auch einfach dein Fahrrad oder Lastenrad auf einem freien Stellplatz parken und ggf. einen Parkschein ziehen (weitere Hinweise dazu findest du unten unter „Rechtliche Fragen“).
Dekoriere nun den Parkplatz nach deinen Vorstellungen. Achte dabei darauf, dass du den fahrenden Verkehr nicht behinderst und keine Dinge in den Verkehrsraum hineinragen.

Ole Kamm/VCD

6 – Belebe deinen PARK-Platz
Dein kleiner Park wird sicherlich einige Aufmerksamkeit erregen. Erkläre Vorbeikommenden, was du mit deiner Aktion erreichen möchtest und lade sie ein, mitzumachen oder ein bisschen zu entspannen. Zusammen könnt ihr Kaffee trinken und Kuchen essen, euch im Schach duellieren und Wolle fürs Guerilla Knitting tauschen, mit Bauklötzen bauen und den Kindern aus einem Buch vorlesen. Vielleicht kommst du so mit Nachbar*innen ins Gespräch, die du sonst nicht einmal beim Bäcker triffst. Und wer weiß: Vielleicht stellt ihr fest, dass eure Straße tatsächlich etwas mehr Grün vertragen könnte und plant schon mal gemeinsam die nächste Aktion.

Ole Kamm/VCD

7 – Mach Bilder für die Nachwelt
Mach unbedingt Fotos von deiner Aktion! Du kannst sie über deine Social-Media-Kanäle verbreiten (#parkingday) oder in der Hinterhand behalten, um anderen Menschen zu zeigen, was man mit dem ganzen Platz an der Straßenseite anfangen kann. Auch wir freuen uns immer über Bilder von euren Aktionen: Schick sie uns an kommunikation@vcd.org! Profitipp: Vorher-Nachher-Bilder machen sich immer gut!

8 – Sorge hinterher wieder für Ordnung
Achte darauf, dass du den Parkplatz nach Ende deiner Aktion wieder sauber zurücklässt. Denk dran: Je mehr Leute sich am Ende auf deinem PARK-Platz aufhalten, desto zahlreicher sind die helfenden Hände hinterher beim Aufräumen.

Rechtliche Fragen

Um bei der Durchführung deines PARK(ing) Days rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, meldest du deine Aktion bei der Stadt an. Dabei hast du mehrere Möglichkeiten, die sich laut erfahrenen PARK(ing) Day-Veranstaltern aus Leipzig und Augsburg etabliert haben. Beachte jedoch, dass sich das Prozedere von Stadt zu Stadt unterscheiden kann – um auf Nummer sicher zu gehen, informierst du dich also am besten auch nochmal bei dir vor Ort.

1 – Melde deine Aktion als Versammlung an:
Der Begriff „Versammlung“ meint die „Zusammenkunft von mindestens zwei Personen zur gemeinschaftlichen, überwiegend auf die Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung gerichteten Erörterung oder Kundgebung. Sie ist öffentlich, wenn die Teilnahme nicht auf einen individuell feststehenden Personenkreis beschränkt ist“. In den meisten Bundesländern ist für die Anmeldung das Ordnungsamt oder die Polizei zuständig. Versammlungen unter freiem Himmel müssen spätestens 48 Stunden vor deren Bekanntgabe (!) angemeldet werden (das geht oft ganz einfach online) und bedürfen keiner Genehmigung. Eine Versammlung ist gebührenfrei, ggf. wird aber verlangt, eine Trennung vom Straßenverkehr zu organisieren, z. B. durch ein Absperrband.

2 – Melde deine Aktion als „Sondernutzung“ auf öffentlichem Verkehrsgrund an:
Falls du auf dem Parkplatz einen Infostand aufstellst, kann die Aktion nicht mehr als Versammlung betrachtet werden. Stattdessen musst du für den Stellplatz eine gebührenpflichtige Sondernutzungserlaubnis beantragen. Die Genehmigung der Straßensondernutzung erfolgt meist beim Ordnungs- oder Tiefbauamt. Ist sie genehmigt, werden Halteverbotsschilder aufgestellt. Die Sondernutzung muss in der Regel 4 Wochen vorher beantragt werden (in manchen Fällen auch noch früher).

3 – Parke einfach dein Fahrrad:
Fahrräder dürfen wie Autos längs am rechten Straßenrand parken. Denke daran, dass wenn du einen kostenpflichtigen Stellplatz für deine Aktion nutzt und keine Versammlung oder Sondernutzung angemeldet hast, du ein Parkticket lösen und dieses sichtbar an deinem Rad befestigen musst. Diese Variante hat schon bei vielen PARK(ing) Day-Veranstaltern reibungslos funktioniert, ohne dass das Ordnungsamt gemeckert hat. Insbesondere bei nicht-kostenpflichtigen Stellplätzen befindest du dich mit dieser Methode allerdings in einer Grauzone, da Fahrräder „platzsparend“ geparkt werden müssen ohne einen ganzen Stellplatz zu blockieren.

Beachte bitte, dass wir hier keine Rechtsberatung anbieten.
Unsere Hinweise sollen Orientierung geben und sind ohne Gewähr und Rechtssicherheit.
Du solltest vor allem bei speziellen, individuellen Fragen einen Rechtsanwalt konsultieren.

Tipps & Tricks

Tipp 1:
AUGEN AUF BEI DER PARKPLATZ-WAHL
Bei der Wahl deines Parkplatzes solltest du darauf achten, dass er sich nicht unmittelbar vor einem Café oder Restaurant befindet. Dein Parkplatz ist mehr als ein kommerzieller Biergarten! Wenn du aber der Café-Besitzer bist, können wir dich nicht aufhalten. Damit dein Parkplatz bei der Aktion besonders hervorsticht, raten wir dir außerdem, eine Straße mit wenig bis keinem Grün zu wählen.
Tipp 2:
SPOT ON: DER DRITTE FREITAG IM SEPTEMBER
Du möchtest noch mehr Aufmerksamkeit für deine Aktion? Dann wähle als Tag den internationalen PARK(ing) Day, der immer am dritten Freitag im September stattfindet. Weltweit verwandeln Menschen an diesem Tag Parkplätze in individuelle Freiräume und Begegnungszonen. Fällt der Tag außerdem in die Europäische Mobilitätswoche (16. bis 22. September), dann registriere deine Aktion online und mache so auf sie aufmerksam.
Tipp 3:
EINS, ZWEI ODER DREI
Warum denn nur einen Parkplatz umgestalten? Wenn du gleich mehrere Stellplätze nebeneinander bespielst, hast du nicht nur mehr Platz für deine Ideen, sondern erregst auch mehr Aufmerksamkeit für dein Anliegen.
Tipp 4:
INSPIRATION GESUCHT?
Wenn du nicht weißt wie du deinen Parkplatz gestalten sollst, suche dir Inspiration im World Wide Web. Unter dem Hashtag #parkingday findest du mit Sicherheit eine Idee, die auch dir gefällt!