Der Stadtteilspaziergang, VCD
Barrierefreiheit
Fußverkehr
Sicherheit

Mit einem Stadtteilspaziergang gemeinsam durchs Viertel.

Damit alle besser zu Fuß unterwegs sein können

Manchmal müssen wir genauer hinsehen, um Hindernisse zu entdecken, die uns das Zufußgehen im eigenen Viertel schwer machen. Plötzlich fällt auf, dass die Ampelschaltung an einem Überweg so kurz ist, dass Ältere und Menschen mit Kinderwagen es kaum über die Straße schaffen. Und überhaupt: Warum gibt es im Quartier nirgends Sitzbänke? Mit einem Stadtteilspaziergang könnt ihr euer Viertel einmal ganz anders kennenlernen, vorhandene Probleme aufdecken und gemeinsam Lösungen dafür entwickeln.
von Rainer Hauck (VCD)

Materialliste

  • Maßband zum Messen von Abständen
  • (Zeit-)Planungsvorlage
  • Durchführungsanleitung
  • Dokumentationsbogen
  • Kamera oder Smartphone
  • Vorlagen für Ankündigungen und Aushänge
  • Kartenausschnitt, Klemmbrett und Notizblock zum Einzeichnen des Routenverlaufs
  • Stifte und Textmarker für Notizen und zum Markieren besonders guter oder schlechter Beispiele
  • Formulare für Verträge zur Übertragung der Rechte am eigenen Bild (sog. Modell-Release-Verträge)

Schritt für Schritt

Schritt 1: Passenden Anlass wählen!

Ein Stadtteilspaziergang kann jederzeit auch ohne besonderen Anlass durchgeführt werden. Dennoch ist es sinnvoll, konkrete Verkehrshindernisse und -probleme im Viertel in den Fokus zu nehmen, über die sich Anwohner*innen ärgern oder über schon länger diskutiert wird. Gibt es Bereiche, an denen Fußgänger*innen besonders gefährdet sind – es vielleicht sogar schon zu Unfällen gekommen ist? Sind umfangreichere Baumaßnahmen oder Umgestaltungen von Freiflächen geplant? Das ist der passende Zeitpunkt, sich zum Beispiel für einen Zebrastreifen einzusetzen oder die barrierefreie Ausführung von neu angelegten Wegen zu fordern.

Schritt 2: Menschen zum Mitmachen bewegen!

Mit dem richtigen Anlass fällt es leichter, Menschen für das Thema sicheres Zufußgehen zu begeistern. Geht ganz gezielt auf Menschen mit unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen und -einschränkungen zu. So können die Teilnehmer*innen voneinander lernen und Bewusstsein für die Sicht Anderer entwickeln. Vielleicht überlässt euch auch jemand kurz einen Rollator oder einen Kinderwagen und ihr könnt selbst ausprobieren, wie ihr mit ungewohnten Hindernissen und Herausforderungen umgeht. Ihr könnt euren Spaziergang zum Beispiel auch bei Umweltorganisatione zum Beispiel oder der Kommune über deren Internetseiten, aber auch als Ankündigungen in Lokalblättern (on- und offline) und den Aushang von Plakaten bewerben. Ladet neben Anwohner*innen auch Multiplikator*innen wie Behindertenbeauftragte oder Senior*innenvertretungen, aber auch Bürgermeister*innen und Vertreter*innen der Stadtverwaltung zu eurem Stadtspaziergang ein.

Stadtteilspaziergang, VCD/ Anna Fehmel

Schritt 3: Geeignete Strecke wählen!

Die Auswahl einer geeigneten Strecke ist entscheidend für den Erfolg eines Stadtteilspaziergangs. Streckenlänge und „Gehdauer“ müssen den körperlichen Möglichkeiten der Teilnehmer*innen angepasst sein. Die Strecke sollte über ausreichend potentielle Hindernisse bzw. Gefahrenschwerpunkte für Menschen mit unterschiedlichen Mobilitätseinschränkungen verfügen. Bei der Vorbereitung des Spaziergangs kann es hilfreich sein, Anregungen aus dem Quartier einzuholen und Kontakt bspw. zu dem*der Abschnittsbevollmächtigten der Polizei aufzunehmen. Geht die Strecke vorher– möglichst mit den örtlichen Gegebenheiten vertrauten Personen – sorgfältig ab, um potentielle Gefahrenstellen auf einer Karte zu markieren.

Schritt 4: Aufmerksamkeit erzeugen!

Möglichst viele Menschen sollen von den Ergebnissen eures Stadtteilspaziergangs erfahren! Deshalb müssen am besten die Medien darüber berichten. Klärt schon sehr früh in der Gruppe, ob und in welcher Form ihr die Presse einbinden wollt.

Ist es das Ziel, dass Journalist*innen am Stadtteilspaziergang teilnehmen, dann solltet ihr eine Presseeinladung eine Woche vor der Veranstaltung an lokale Tageszeitungen sowie Radio- und Fernsehsender, aber auch an Anzeigenblätter und den Landesrundfunk versenden. Wichtig ist, sich schon vorher genau zu überlegen, was das Ziel und die Botschaft des Rundgangs sind. Aus der Einladung muss klar hervorgehen, was wann und wo passiert und wer als Pressekontakt und ggf. Interviewpartner*in zur Verfügung steht. Unterstützung dabei kann z. B. die VCD-Gliederung vor Ort leisten. Auch beim Erstellen und Versenden einer Pressemitteilung (beispielsweise über den eigenen lokalen VCD-Presseverteiler) können Aktive des VCD behilflich sein. Beachtet, dass die Pressemitteilung maximal eine DIN A4-Seite lang ist, die wichtigsten Informationen und Ergebnisse des Stadtteilspaziergangs enthält und umgehend nach dem Rundgang verschickt werden sollte.

Ein Stadtteilspaziergang kann verschiedene Mobilitätsbedürfnisse aufzeigen, VCD/ Anna Fehmel

Schritt 5: Ergebnisse auswerten, Beseitigung von Gefahrenstellen anmahnen, zum Nachmachen auffordern!

Dokumentiert eure Ergebnisse!, VCD/ Anna Fehmel

Nachdem ihr euren Stadtspaziergang durchgeführt habt, steht die Auswertung des Dokumentationsbogens und der Fragebögen der Teilnehmer*innen an. Fasst die Auswertungsergebnisse zusammen und ergänzt sie durch Fotos, die Hindernisse und Gefahrenstellen dokumentieren, aber auch die Teilnehmer*innen beim Rundgangs zeigen. So könnt ihr Gefahrenstellen im Viertel gegenüber kommunalen Stellen oder politischen Entscheider*innen konkret und verortet benennen und deren Beseitigung dank des partizipativen Ansatzes des Stadtteilspaziergangs mit einer deutlich größeren Durchsetzungskraft einfordern. Sammelt Fotos, Ergebnisse des Stadtteilspaziergangs, aber auch Medienberichte und Kommentare von Teilnehmer*innen und bereitet sie im Nachgang der Veranstaltung auf, um sie veröffentlichen zu können. So kann bspw. die lokale VCD-Gliederung den Spaziergang als erfolgreiche Aktivität auf ihrer Internetseite posten und über ihren Newsletter verbreiten, dadurch neue Interessierte ansprechen und für die Idee begeistern, selbst einen Stadteilspaziergang durchzuführen. Mit euren Erkenntnissen könnt ihr Missstände gegenüber der Politik oder Wohnungsunternehmen öffentlichkeitswirksam anprangern oder auf die unterschiedlichen vielfältigen Mobilitätsbedürfnisse der Bewohner*innen aufmerksam machen.

 

Rechtliche Fragen

Fotoverwendungsrechte klären!

Vor Beginn des Stadteilspaziergangs bitte deutlich und für alle hörbar ankündigen, dass Fotos gemacht werden, und fragen, ob die Teilnehmer*innen fotografiert werden möchten und die Fotos beispielsweise veröffentlicht werden dürfen (on- und offline). Gruppenbilder müssen so gemacht werden, dass nicht die Gruppe, sondern die Veranstaltung das Bildmotiv ist (also niemanden aus der Gruppe hervorheben). Für Hervorhebungen, Gruppenfotos, auf denen die Gruppe das Hauptmotiv ist, sowie für Einzelaufnahmen oder Porträts ist in jedem Fall ein »Foto-Release«-Vertrag (Übertragung der Rechte am eigenen Bild) erforderlich. Auch auf den Fotos abgebildete Kfz-Kennzeichen müssen graphisch unkenntlich gemacht werden.

Tipps & Tricks

Tipp 1:
Der VCD hat für alle, die einen Stadtteilspaziergang auch in der eigenen Nachbarschaft durchführen möchten, einen Leitfaden entwickelt. Der Leitfaden bietet in seiner Anleitung viele praktische Tipps zur Durchführung. Für die Vor- und Nachbereitung gibt es eine detaillierte Planungsvorlage, einen Dokumentationsbogen (zum Notieren von Hindernissen etc.), einen Fragebogen für die Teilnehmer*innen des Stadtteilspaziergangs sowie mehrere Vorlagen zur Bewerbung der Veranstaltung.
Tipp 2:
FRAGT DEN VCD VOR ORT! Um den Stadtteilspaziergang im Viertel bekannt zu machen, kann die Veranstaltung in Kooperation mit der lokalen VCD-Gliederung beworden werden. Auch mit lokaler Expertise und der Kommunikation im Nachgang können euch VCD-Aktive unterstützen.

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