Katja Täubert/VCD
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Stickstoffdioxid-Belastung
selber messen

Werde NO2-Messpate!

Du willst wissen, wie stark die Luft vor deinem Haus oder in deiner Stadt mit Stickstoffdioxid verschmutzt ist? Der VCD Bayern hilft dir dabei, das herauszufinden! Gegen eine Kostenerstattung von 28 Euro bekommst du die passende Messausrüstung und kannst sofort loslegen. In Kooperation mit einem Schweizer Labor übernimmt der VCD Bayern die Auswertung und hält dich über dein Messergebnis auf dem Laufenden. Im Gegenzug wird dein Messwert in eine deutschlandweite Übersichtskarte eingetragen und gegebenenfalls für die VCD-Arbeit zur Luftreinhaltung verwendet.

Materialliste

  • Postanschrift
  • ggf. eine kleine Leiter
  • ggf. weitere Kabelbinder
  • etwas Geduld

Schritt für Schritt

Wer an einer Straße mit viel Autoverkehr wohnt, atmet Tag für Tag dreckige Luft vor der eigenen Haustür ein. Eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass die NO2-Konzentrationen in der Außenluft in Deutschland zu erheblichen Gesundheitsbelastungen führen. Du willst wissen wie es in dieser Hinsicht vor deiner Haustür aussieht? Wir zeigen dir Schritt für Schritt, wie du die Stickstoffdioxid-Belastung selber messen kannst.

1 – Kontaktiere den VCD Landesverband Bayern
Wenn du die Stickstoffdioxidverschmutzung vor deiner Haustür messen möchtest, meldest du dich zuerst beim VCD Landesverband Bayern. Das geht per Mail mit dem Betreff „NO2-Messpate“ an info@vcd-bayern.de, per Telefon unter 0911/471743 oder per Post an VCD Landesverband Bayern e.V., Hessestraße 4, 90443 Nürnberg .

2 – Warte auf dein Messpaket
Der VCD Bayern schickt dir dann ein Päckchen mit allen Utensilien zu, die du für die Messung brauchst. Darin enthalten sind ein Schutzbehälter (große Dose aus Kunststoff), ein Sammler-Röhrchen für NO2, eine grüne LANUV-Membran, Kabelbinder und ein Protokollformular. Die Kosten für das Material in Höhe von 28 Euro kannst du bequem per Rechnung begleichen.

3 – Finde einen geeigneten Platz für die Messung
Für die Messung eignet sich fast jeder Ampel- oder Schildermast, an dem die Luft frei vorbeiströmen kann. Bei Regenrohren und ähnlichen Orten in Hausnähe sollte der Schutzbehälter weg von der Hauswand und hin zur Straßenseite platziert werden. Befestige nun an der Stelle, an der du messen willst, den Schutzbehälter mit den Kabelbindern so, dass sein Deckel oben ist. Die Höhe der Messung bestimmst du selbst. Der VCD Bayern empfiehlt, den Schutzbehälter in mindestens 2,50 bis 3 Metern Höhe anzubringen. Dort ist er vor Spieltrieb und Vandalismus einigermaßen sicher. Nimm dazu am besten eine kleine Leiter mit.

4 – Die Messung starten

VCD Landesverband Bayern

Ziehe nun von dem Sammler-Röhrchen den roten Stopfen ab und ersetze ihn durch den grünen Stopfen mit der LANUV-Membran. Den roten Stopfen hebst du für später auf! Nimm dann den Deckel des Schutzbehälters ab und setze das Röhrchen von oben in den Schutzbehälter ein, so dass der grüne Stopfen nach unten herausschaut. Setze den Deckel des Schutzbehälters dann wieder auf. Die Messung hat nun begonnen. Die Reihenfolge der Schritte ist nicht zwingend. Du kannst auch erst das Röhrchen mit der LANUV-Membran versehen, in den Schutzbehälter tun und dann beide zusammen aufhängen. Notiere schließlich auf dem Protokollbogen die Nummer des Sammlerröhrchens, den Ort, das Datum und die exakte Uhrzeit, zu der du das Sammler-Röhrchen geöffnet und eingesetzt hast.

5 – Die Messung beenden
Nach etwa vier Wochen gehst du wieder zu deiner Messstelle. Baue den Schutzbehälter ab, nimm das Sammler-Röhrchen heraus, ziehe den grünen Stopfen ab und verschließe das Röhrchen mit dem roten Stopfen. Die Messung ist damit beendet. Notiere nun auf dem Protokollbogen auch diesen Zeitpunkt genau mit Datum und Uhrzeit.

6 – Rücksendung zur Auswertung
Nun kannst du die gesamte Ausrüstung, das „befüllte“ Sammler-Röhrchen und das vollständig ausgefüllte Messprotokoll zurück an den VCD Landesverband Bayern, Hessestraße 4, 90443 Nürnberg schicken. Du kannst ihnen gerne auch ein Foto der Messstelle per E-Mail an info@vcd-bayern.de senden. Wenn genügend Röhrchen zusammen gekommen sind, leitet der VCD Bayern diese an das Labor weiter. Die Auswertung bekommst du dann zugeschickt.

7 – Das Ergebnis interpretieren
Du bekommst den Mittelwert der NO2-Konzentration von den vier Wochen der Messung zugesendet. Er ist ein Anhaltspunkt für den Jahresmittelwert. Der Grenzwert für NO2 ist 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Wenn deine Messung in die Nähe kommt oder diesen Wert überschreitet, deutet das darauf hin, dass an dieser Stelle die Luft zu sehr verschmutzt ist und etwas dagegen unternommen werden sollte. Gesundheitsschäden sind aber auch schon bei geringeren Werten nachgewiesen worden.

8 – Handeln!
Wird in deiner Straße der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an mehr als 35 Tagen im Jahr überschritten bzw. droht eine solche Überschreitung, hast du als betroffene*r Bürger*in grundsätzlich einen Anspruch auf Aufstellung so genannter Aktionspläne. Prüfe also zunächst, ob für deine Stadt ein solcher Plan bereits existiert. Wenn nicht, fordere schriftlich die entsprechende Verwaltungseinrichtung auf Länderebene auf, umgehend einen solchen Aktionsplan zu erarbeiten. Fordere die zuständigen Stellen außerdem dazu auf, kurzfristige Maßnahmen zur Reduktion der Luftschadstoffbelastung zu ergreifen. Am besten versiehst du beide Aufforderungen mit einer Frist, um deinem Schreiben Nachdruck zu verleihen. Es kann auch helfen, wenn du dich mit anderen betroffenen Bürgern vor Ort zusammen tust und ihr gemeinsam Druck ausübt.

Katja Täubert/VCD

Rechtliche Fragen

Achte darauf, den Straßenverkehr nicht zu behindern, wenn du das Messgerät anbringst. Solange du das Messgerät außerdem nach einigen Wochen wieder rückstandsfrei entfernst, bist du auf der sicheren Seite.

Beachte bitte, dass wir hier keine Rechtsberatung anbieten.
Unsere Hinweise sollen Orientierung geben und sind ohne Gewähr und Rechtssicherheit.
Du solltest vor allem bei speziellen, individuellen Fragen einen Rechtsanwalt konsultieren.

Tipps & Tricks

Tipp 1:
SELBST ORGANISIEREN
Du kannst natürlich auch selbst direkt bei einem Labor die Ausrüstung besorgen und die Auswertung abwickeln. Das vom VCD Bayern beauftragte Labor liegt in der Schweiz, auf der Website www.passam.ch findest du dazu weitere Informationen. Mit kleinen Mengen gibt man sich dort aber nicht ab. Die Mindestabnahme beträgt zehn Sammler-Röhrchen und die Kosten sind damit entsprechend höher. Schutzbehälter und LANUV-Membranen solltest du mitbestellen, kannst diese aber mehrfach verwenden. Die Membranen müssen nach jedem dritten Mal mit Ultraschall gereinigt werden. Die Schutzbehälter kann man übrigens auch mit einfachen Mitteln improvisieren: Der VCD Bayern gibt dir gerne Tipps dafür.
Tipp 2:
EINE FRAGE DER HÖHE
Hängst du das Messgerät drei Meter hoch, ist es vor Vandalismus einigermaßen sicher. Du könntest es aber auch auf die Höhe von Kindernasen hängen und so die Belastung für die Kleinen messen.