Finanziert eure Projektidee mit Crowdfunding, unsplash/ Katt Yukawa

Crowdfunding für die Verkehrswende!

Tipps & Tricks für eure Kampagne

Es gibt zahlreiche Dinge, die eure Nachbarschaft lebenswerter machen. Wollt ihr euch mit einer Veranstaltung die Straße zurückerobern, ein Gemeinschaftslastenrad bereitstellen, Sitzgelegenheiten, oder mehr Platz für Fahrräder schaffen? Habt ihr schonmal über Crowdfunding nachgedacht? Beim Crowdfunding geht es um weit mehr als nur das Geld! Denn vor allem verfolgen alle eure Unterstützer*innen den Fortschritt eurer Kampagne und sind gespannt auf euren Erfolg. Das schweißt zusammen! So stärkt eine Kampagne die Aufmerksamkeit für eure Projektidee und stellt eine Gemeinschaft her, die noch lange danach Bestand hat.

von Kyra Hertel

Materialliste

  • Einen Computer
  • Mikrophon & Kamera für das eigene Video
  • "Dankeschöns" für eure Unterstützer*innen
  • Eure Kreativität & Spontanität sind gefragt!

Schritt für Schritt

Projekte wie warmgefahren oder das Freiraumwunder machen es vor! Mit Crowdfunding könnt ihr eure Projektideen für die Rückeroberung der Straße Wirklichkeit werden lassen. Legt jetzt los! Wie? Das erklären wir hier:

Warmgefahren versorgt Obdachlose an kalten Tagen mit Lebensmitteln und warmen Decken – die Lastenräder wurden durch Crowdfunding finanziert, Wibke Reckzeh

Schritt 1: Ist eine Crowdfunding-Kampagne überhaupt für unser Projekt geeignet?
Bevor ihr euch auf das Abenteuer Crowdfunding einlasst, überlegt euch, ob sich das für euer Projekt auch wirklich lohnt. Denn eine erfolgreiche Kampagne bedeutet relativ viel Aufwand. Die gute Nachricht ist, dass sich alle möglichen Projektideen mithilfe von Crowdfunding finanzieren lassen. Von nachhaltigen Partybechern bis zur Produktion von Sturzsensoren für Fahrradhelme ist alles dabei. Das gleiche gilt auch für die angestrebte Summe. Was ihr aber unbedingt braucht? Eine Idee, die Menschen begeistert und eine gut durchdachte Kommunikationsstrategie. Besonders für Letzteres benötigt ihr auch ausreichend Mitstreiter*innen. Wenn eure Crowdfunding-Kampagne aber erfolgreich ist, habt ihr nicht nur die nötigen finanziellen Mittel beisammen, sondern auch gleich eine Community rund um euer Projekt aufgebaut, die euch treu bleibt. Es lohnt sich also!

Schritt 2: Ihr habt euch für eine Crowdfunding-Kampagne entschieden? Geht in die Vorbereitung!

Für die Vorbereitung eurer Kampagne steht einiges an. Plant deshalb genügend Zeit ein, damit ihr auch alles schafft. Tipp: Verfolgt doch mal selbst eine schon laufende Kampagne! Spendet einen kleinen Betrag an ein Projekt, das euch interessiert und erlebt den Prozess einmal aus der Sichtweise der Unterstützer*innen. Das hilft euch dabei, zu entscheiden worauf es ankommt!

Schon die Auswahl der richtigen Plattform hilft, gleich die richtige Zielgruppe zu erreichen. Für gemeinnützige Organisationen bieten sich z. B. startnext.com oder betterplace.org an. Recherchiert auch, ob es bei euch vor Ort bereits eine Plattform mit regionalem Bezug gibt. Manche Plattformen haben auch einen konkreten thematischen Schwerpunkt wie z.B. Klimaschutz oder Stadtentwicklung. In diesem Papier findet ihr schonmal eine kleine Recherchehilfe. Vielleicht seid ihr keine Crowdfunding-Expert*innen. Das geht aber den meisten Menschen ähnlich. Viele Plattformen bieten eigene Tutorials, Seminare oder sogar kostenlose Beratungen. Nutzt diese Angebote so gut es geht, um eure Plattform kennenzulernen!

Oft funktionieren Crowdfunding- Plattformen nach dem „Alles-oder-Nichts“-Prinzip. Zu Beginn legt ihr einen Betrag, den ihr erreichen wollt, fest. Erreicht ihr diesen Betrag im Laufe der Kampagne, erhaltet ihr die gesamte Summe. Falls ihr den Betrag nicht erreichen solltet, geht ihr leer aus. Legt deshalb ein realistisches finanzielles Ziel fest. Überlegt auch wie viele Menschen ihr in eurem Netzwerk erreichen könnt. Hierbei ist auch die Auswahl der passenden „Dankeschöns“ ausschlaggebend. Was das genau ist? Dazu später mehr. Auch beim zeitlichen Rahmen gilt es, eine Balance zu finden. Während ihr in einem zu kurzen Zeitraum eure angestrebte Summe nicht erreichen könnt, ist es ein hoher Aufwand das Interesse für euer Projekt über einen zu langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Meistens wird eine Zeitspanne von vier bis sechs Wochen für einen moderaten Betreuungsaufwand empfohlen.

Bereitet eure Kampagne gut vor!, unsplash/ Dylan Gillis

Schritt 3: Gewinnt Unterstützer*innen!

Um Unterstützer*innen von eurem Projekt zu überzeugen, müssen sie überhaupt erstmal davon erfahren. Auf vielen Plattformen müsst ihr deshalb ein kurzes Video (zwei bis drei Minuten) hochladen, in dem ihr euch und euer Projekt vorstellt. Tragt kurz und knapp die wichtigsten Aussagen zusammen und überlegt wie ihr diese ansprechend darstellen könnt. Achtet dabei vor allem auf eine gute Bild- und Tonqualität. Beantwortet im Video folgende Fragen:

  • Wer macht was?
  • Wohin wollt ihr? Was sind eure konkreten Ziele?
  • Warum ist euer Projekt wichtig?
  • Wie wollt ihr euer Projekt umsetzen?

Viel wichtiger als Effekthascherei ist dabei, dass ihr einfach Spaß habt und authentisch bleibt! Das wird eure Unterstützer*innen am Ende überzeugen.

Und schon kommen wir auch zu den sogenannten „Dankeschöns“. Auf vielen Plattformen bekommen eure Unterstützer*innen eine kleine Zuwendung im Gegenzug dafür, dass sie euch mit einer bestimmten Summe unterstützen. Das kann alles Mögliche sein. Wichtig ist aber, dass eure „Dankeschöns“ inhaltlich zu eurem Projekt passen. Stellt mit einer Menge Kreativität einen guten Mix aus immateriellen (z.B. gutes Karma, Nennung des Namens des*der Unterstützer*in) und materiellen Ideen (Aufkleber, Postkarten, Pullis etc.) zusammen. Gebt so um die zehn Ideen an, die eure Unterstützer*innen auswählen können. Jedes „Dankeschön“ gibt es für einen von euch vorher festgelegten Betrag. Wenn ihr diesen festlegt, stellt sicher, dass die Beträge eine möglichst große Spanne zwischen der kleinsten und größten Geldmenge abdecken. Um die Attraktivität eurer „Dankeschöns“ zu steigern, könnt ihr sie sogenannte „Top Seller“ anbieten oder wie wäre es mit einer saisonalen „Special-Edition“?

Schritt 4: Eure Kampagne läuft? Gebt jetzt richtig Gas!

Nach all den Planungen und Vorbereitungen kann es jetzt so richtig losgehen! Während der Kampagne ist es wichtig, so viele Menschen von eurem Projekt zu überzeugen, wie es nur geht. Vor allem die Anfangs- und Schlussphase sind kritisch für euren Erfolg, denn hier werden oft die meisten Gelder eingesammelt. Schießt also besonders in dieser Zeit aus allen Rohren und stellt einen guten Marketingmix zusammen. So könnt ihr eure Newsletter und E-Mail-Verteiler nutzen, um eure Idee zu verbreiten. Verwendet besonders eure Social-Media-Kanäle dazu, eure (potentiellen) Unterstützer*innen auf dem Laufenden zu halten. Mobilisiert Menschen, die noch nicht von euch gehört haben über die Presse. Sammelt dafür schon vor Start der Kampagne Pressekontakte zusammen, die ihr dann sofort mit Materialien versorgen könnt.  Allgemein gilt: Nutzt alle Netzwerke, die euch zur Verfügung stehen! Offline und online. Während der Kampagne solltet ihr immer wieder Präsenz auf den verschiedensten Kanälen zeigen. Dafür könnt ihr z.B. zwischendurch den aktuellen Stand eurer Kampagne posten oder an aktuelle Themen bei euch vor Ort anknüpfen, die mit eurem Projekt zusammenhängen.

Feiert den Erfolg eurer Kampagne mit euren Unterstützer*innen!, unsplash/ Bruce Mars

Schritt 5: Wow, ihr habt es geschafft!

Wenn euer Projekt, das genannte Ziel erreicht hat, ist das wirklich klasse! Über das Geld hinaus gibt es ein tolles Gefühl obendrauf, denn eure Idee kommt an! Eine tolle Community hat dafür gesorgt, dass ihr euer Projekt umsetzen könnt! Sagt also Danke. Bereitet eure „Dankeschöns“ vor und verschickt sie an eure Unterstützer*innen. Begleitet euren Erfolg auch auf euren Social-Media-Kanälen, eurer Website und über alle Verteiler. Durch eure Kampagne habt ihr auf drei Ebenen gewonnen: Ihr könnt euch dank der finanziellen Unterstützung mit eurem Projekt in die Startlöcher begeben, ihr habt die Aufmerksamkeit für eure Idee erhöht und eine treue Community aus Unterstützer*innen aufgebaut. Das war ganz schön viel Arbeit. Was eine Crowdfunding-Kampagne aber wirklich ausmacht? Kreativität, Spontanität und Engagement! Na dann, macht euch ans Werk!

 

 

Tipps & Tricks

Tipp 1:
Ihr habt noch nie ein Video produziert? Da seid ihr sicher nicht alleine. Wenn ihr euch nicht traut, das völlig alleine auf die Beine zu stellen, bedeutet das jedoch nicht gleich das Ende eurer Kampagne. Abseits bekannter Suchmaschinen, könnt ihr auch bei Studierenden nachfragen, die sich mit dem Thema auskennen oder andere Klimainitiativen um Unterstützung bitten.
Tipp 2:
Auch der Zeitpunkt, in dem eure Kampagne läuft, kann ausschlaggebend sein! Ihr könnt z.B. an saisonale Ereignisse wie Weihnachten anknüpfen oder ihr findet einen lokalen Anlass wie z. B. die Umgestaltung einer Straße.
Tipp 3:
Ihr braucht noch Futter für die Kommunikation eurer Kampagne? Veröffentlicht nicht gleich zu Beginn alle eure „Dankeschöns“ auf einen Schlag. Über den Zeitraum eurer Kampagne hinweg, könnt ihr neue „Dankeschöns“ hinzufügen und in eure Kommunikation mit einbinden.
Tipp 4:
Bereitet für eure Kommunikation schon im Vorhinein Kontaktlisten vor, mit Pressekontakten, Netzwerkpartner*innen und Plattformen über die ihr kommunizieren wollt. Auch schon vorbereitete Textbaustein helfen, euch die Arbeit während der Kampagne zu erleichtern.