Wanderbäume, WBA Köln

Achtung, die Bäume kommen!

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Die Wanderbaumallee in Köln zeigt mit ihren "Modulen" wie Lebensqualität in der Stadt aussehen kann.

Seit dem „Tag des guten Lebens“ im Herbst letzten Jahres (2019) ist die Wanderbaumallee in Köln unterwegs. Sie schaffen Aufenthaltsqualität und bahnen sich seitdem mit viel Kreativität und Ausdauer ihren Weg durch die Stadt. Die verschiedensten Nachbarschaften empfangen ihre kurzzeitigen Gäste mit großer Gastfreundschaft.

Von Kyra Hertel

 

„Entschuldigung, könnten Sie kurz zur Seite gehen, sie werden von einem Baum überrollt!“ (Ralph Herbertz, VCD)

Nicht oft sei man in der Lage einen solchen Satz zu sagen, vermutet Ralph Herbertz vom VCD Regionalverband Köln mit einem Augenzwinkern. Doch seitdem die Wanderbaumallee in Köln unterwegs ist, ist genau das der Fall. Seit Herbst 2019 wandert hier nämlich eine (friedliche) Armada von Bäumen durch die Stadt. Sie hat ein klares Ziel: Den Lebensraum für die Menschen (und Pflanzen) zurückzugewinnen.

Wanderbäume gibt es schon seit 30 Jahren

In Köln hatte die Wanderbaumallee ihren ersten Auftritt zum Tag des guten Lebens 2019. Die Aktivist*innen stellten noch fix das letzte Modul fertig. Danach konnte es losgehen. Bundesweit gibt es die Idee der mobilen Stadtbegrünung schon seit fast 30 Jahren. So zogen bereits 1992 die ersten beweglichen Pflanzmodule durch München, um für mehr Grün in den Straßen der Stadt zu demonstrieren. Die Baupläne für die jetzigen Module wurden ursprünglich von der Wanderbaumallee in Stuttgart erarbeitet und nun auch an die Kölner weitergegeben. Es zeigt sich: Die Bewegung findet bundesweit immer mehr Anklang!

Dafür trifft sich auch in Köln einmal im Monat eine Gruppe von Freiwilligen, die sich seit der Entstehung der Wanderbaumallee in Köln um die Organisation kümmern. Als Dachverbände treten die Radkomm, Köln Agenda und der VCD Regionalverband Köln für mehr Grün in der Stadt ein. Diese kümmern sich vor allem um die logistische Trägerschaft. Sind die Wanderbäume einmal vor Ort, sorgen die Nachbarschaften eigenständig durch regelmäßiges Gießen für das Wohlbefinden ihrer Gäste.

„Lebensraum zurückgewinnen – für Meschen, nicht für Autos!“ (Ralph Herbertz, VCD Köln)

Umzug der Wanderbäume, WBA Köln

Alle drei bis sechs Wochen soll die Wanderbaumalle verschiedene Nachbarschaften in Köln besuchen. Dafür sind die Module, in die die Bäume gepflanzt sind, eigens präpariert. Die Freiwilligen schieben sie an Holzstecken, die sie schnell montieren und wieder entfernen können. Unter den Modulen sind Räder angebracht. Alle packen mit an, um die vier Module sicher über die Straßen zu bringen. Die Route für einen Umzug kann schonmal zwei bis drei Kilometer betragen. Aber bequem haben sie’s: Die Module können ganz gemütlich (und legal) ohne Anmeldung über die Straße geschoben werden. Dabei erntet man auf jeden Fall Aufmerksamkeit!

Sind alle am Ort angekommen, erhalten die Bäume von der Nachbarschaft einen freudigen  Empfang, der zum entspannten Beisammensein einlädt. Sie haben z.B. Transparente aufgespannt, die eine Grundschullehrerin mit ihren Schüler*innen bastelte. Mit Kaffee und Kuchen wurden die neuen Mitglieder der Nachbarschaft willkommen geheißen. Es gab auch schon ein kleines Konzert, das einige Schaulustige anlockte. Der Umzug selbst ist also schon ein kleines Event!

Die Wirkung der Module im öffentlichen Raum

 

Wanderbäume in der Nachbarschaft, WBA Köln

Welche besondere Rolle die Module für die Nachbarschaft spielen, wird schnell klar. Sie schreiben den Betonwüsten, die so oft unsere Städte dominieren, sofort eine ganz neue Bedeutung zu, die das Leben in der Stadt verändern könnte. Die Wanderbäume verdeutlichen, was es heißen würde, den öffentlichen Raum wieder für die Menschen zurückzugewinnen. Sie können potentielle Transformation erlebbar machen! Wie? Na ganz einfach, sie leiten vor Ort einen Prozess ein. Einfach dadurch, dass sie da sind.

Die Module sind mit Sitzmöglichkeiten versehen. Sie bieten somit einen Platz für Begegnung auf ansonsten grauen Straßen – Nachbar*innen treffen sich, Passant*innen kommen vorbei, ältere Menschen verschnaufen auf ihrem Weg zum Einkaufen. Eine Anwohnerin berichtet wie verschiedene Leute die Wanderbäume für ihre Bedürfnisse nutzen und so die Straße wieder in einen Aufenthaltsort verwandeln. Handwerker*innen trinken einen Kaffee, Kinder basteln Verzierungen, zwei ältere Menschen setzen sich nieder und beobachten das Geschehen auf den Straßen. Die Wanderbaumallee wird ganz automatisch zu einem „Hotspot“ der Nachbarschaft.

Das ist aber noch nicht alles: Die Wanderbaumallee verdeutlicht nicht nur, wie wichtig solche Räume für das menschliche Zusammenleben in der Stadt sind. Sie zeigen auch, dass wir Strategien brauchen, um den immer wärmer werdenden Städten entgegenzusteuern. Pflanzen spenden Schatten, verschaffen Abkühlung und bieten Verdunstungsflächen. Sie stellen also einen großen Anteil der lokalen Klimaregulierung dar. Im Sommer wirken sie städtischen Hitzeinseln entgegen und verbessern das Mikroklima.

Wege zur menschen- und baumfreundlichen Stadt

Wanderbäume bei der Kartäuserkirche, WBA Köln

Die Aktivist*innen, die die Wanderbaumallee organisieren, konnten die Behörden mittlerweile davon überzeugen, dass die Wanderbäume in ganz Köln gebraucht werden. Sie können also nach einer Anmeldung jederzeit zu neuen interessierten Nachbarschaften wandern. Davor kamen die Wanderbäume auf Grundstücken unter, die der Kirche gehören und wurden dort herzlich empfangen. Auch hier tragen sie die Idee der Nachbarschaft als Ort der Begegnung weiter und schaffen es, Menschen zu verbinden. Auch die neuen Module trudeln langsam ein. Eine an den Kölner Verkehrsraum angepasste Version ist schon in der Stadt unterwegs. Mit diesen Ideen zeigt die Wanderbaumallee: Mit Beharrlichkeit, der richtigen Unterstützung und einer Menge Mut zu Kreativität finden sich Wege, die Teilhabe am öffentlichen Raum für alle sichtbar zu machen!

Mit der Wanderbaumallee zeigen die Aktivist*innen, wie es möglich ist  die Qualitäten menschenfreundlicher öffentlicher Räume unmittelbar für ihre Anwohner*innen erlebbar zu machen. Sie leiten einen Prozess ein, der Interesse an dauerhaften Veränderungen wecken kann. In München wurden seit Beginn der Initiative im Zuge der dortigen Aktionen 150 Bäume im städtischen Raum gepflanzt. So bahnen sich die Bäume langsam aber sicher beharrlich ihren Weg zur lebenswerteren Stadt, in der Nachbarschaften nicht isoliert voneinander, sondern im Austausch miteinander ihren Alltag meistern. Und auch die ersten zwei Apfelbäume wurden schon vor der Kölner Kartäuserkirche gepflanzt… So kann es doch weitergehen! 😉

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